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Brasilien 2014

 

Brasilien

Die Entscheidung, nach Brasilien zu fahren, fiel relativ spontan, als wir von Freunden auf eine Hochzeit in Belo Horizonte eingeladen wurden – eine Chance, die wir uns nicht entgehen lassen konnten. Im Februar 2014, nur ein paar Monate nach der großen Australientour, machten wir uns also wieder auf den Weg nach Übersee. Diesmal in die andere Richtung. Natürlich lohnte es sich aber nicht, nur für ein paar Tage um die halbe Welt zu fliegen. Also sind wir noch ein bisschen durchs Land gereist und haben uns einen lange gehegten Traum erfüllt: Wir haben die Iguaçu-Wasserfälle besucht. Zweifellos einer der schönsten Orte, den es auf der Welt gibt. Aber nicht nur dieses Naturwunder wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Auch die unheimlich gastfreundlichen, fröhlichen und herzlichen Menschen waren ein Highlight unserer Brasilienreise.

Die Tour begann in Belo Horizonte, wo wir fünf Tage lang mit der Familie des Brautpaars und Freunden zusammenwohnten. Die Zeit war gefühlt eine endlose Grillparty mit ausgelassen feiernden Menschen, viel Caipirinha, noch mehr Fleisch, Sonne ohne Ende und Samba am Pool. Schon am ersten Tag waren der deutsche Winter und der Arbeitsalltag vergessen.

Fünf Nächte am selben Ort, das passiert uns auf Reisen ziemlich selten! Und natürlich hat uns unser Erkundungsdrang auch mal aus der Stadt hinausgetrieben. Einen Tag verbrachten wir in der alten Barockstadt Ouro Preto – ein ziemliches Kontrastprogramm zur Millionenmetropole Belo Horizonte. Bunte, alte Häuser schmiegen sich zwischen grüne Hügel, und auf alle 20 Einwohner kommt scheinbar eine Kirche. Auch wenn ein Spaziergang durch die steilen Kopfsteinpflasterstraßen im brasilianischen Sommer eine schweißtreibende Angelegenheit ist, sollte man es sich nicht entgehen lassen, die Gassen zu Fuß zu erkunden. Denn alle paar Schritte eröffnet sich ein neuer faszinierender Blickwinkel auf die malerischen Gebäude und Straßen.

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Mit dem Flugzeug legten wir anschließend die Strecke zu den Iguaçu-Wasserfällen zurück, die an der Grenze zwischen Brasilien, Argentinien und Paraguay liegen. Um unsere vier Tage dort richtig auszukosten, mieteten wir uns im „Hotel das Cataratas“ ein, dem einzigen Hotel, das im Nationalpark selbst liegt, nicht in der 30 Kilometer entfernten Stadt Foz do Iguaçu. Das war nicht ganz günstig, aber jeden einzelnen Cent wert, und zwar nicht nur weil das Hotel ein Traum war. Vor 9 Uhr und nach 17 Uhr war der Nationalpark ausschließlich für Hotelgäste zugänglich. Die atemberaubenden Wasserfälle in Ruhe ohne drängelnde Touristenmassen bewundern zu können, war ein einmaliges Erlebnis, das wir um nichts in der Welt hätten missen wollen.

Jeden Tag nutzten wir die Chance, entweder zum Sonnenauf- oder Sonnenuntergang – oder zu beidem – an den Aussichtspunkten zu sein, um den Anblick und das Tosen der gewaltigen Wasserfälle zu genießen und uns von der Gischt ordentlich nass regnen zu lassen. Die Wasserfälle, besonders die Aussichtsplattformen am „Devil’s Throat“, sind etwas für alle Sinne.

Zwar mussten wir uns am frühen Morgen noch durch das ein oder andere Spinnennetz kämpfen, aber auf den leeren Wanderpfaden begegneten einem auch allerhand drollige Tiere. Horden von Nasenbären, die die Mülleimer plünderten, possierliche Affen und lässige Warane.

Wir hatten das Glück, bei Vollmond an den „Cataratas do Iguaçu“ zu sein. So entstand sogar ein Bild der Wasserfälle im Dunkeln mit einem Regenbogen, den der Mondschein in die Gischt zauberte.

Natürlich wollten wir die Wasserfälle von allen Seiten sehen. Also machten wir auch einen Tagesausflug in den argentinischen Teil des Nationalparks. Dafür erwischten wir den heißesten Tag seit 50 Jahren: 45°C und eine Luftfeuchtigkeit, die durch die Gischt bei den Aussichtspunkten nahezu 100 Prozent erreichte. Wenn Wind aufkam, war es, als würde uns jemand einen Föhn ins Gesicht halten. Sich bei diesen Rahmenbedingungen mit den Touristenmassen um einen Platz vorn am Geländer schlagen zu müssen, ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Aber es lohnte sich trotzdem. Die argentinische Seite offenbarte ganz neue Blickwinkel auf die Wasserfälle.

Schweren Herzens nahmen wir Abschied von den „Catarats do Iguaçu“ und unserem Traumhotel und stiegen in den TAM-Flieger, um nach São Paulo zu gelangen. Von der Stadt sahen wir nichts, sammelten nur unseren Mietwagen bei „Localiza“ ein und begaben uns direkt auf den Weg nach São Sebastião. Hier warteten wir mit einer Horde einheimischer Wochenendtouristen eine gefühlte Ewigkeit auf die Autofähre, die uns zur Ilhabela brachte. Auch wenn die Überfahrt nicht lange dauerte, hat sich der Ausflug für zwei Nächte durch die lange Wartezeit an der Fähre kaum gelohnt. Unseren Tag auf der Ilhabela verbrachten wir mit einer Jeeptour, die zunächst zur wenig spektakulären Cachoeira do Gato führte.

Wenn man gerade in Iguaçu war, kommt einem dieser kleine Wasserfall eher wie ein Rinnsal vor. Erschwerend kam hinzu, dass die „Borrachudos“ ihr Unwesen auf der Insel treiben. Die Ilhabela-Mücken perforierten uns in Windeseile die Beine, sodass es blutete. Das Moskitospray, das uns ohne Stich durch Südostasien und Australien gebracht hatte, war hier scheinbar machtlos. Weniger Plagegeister gab es zum Glück an der Praia de Castelhanos, dem eigentlichen Ziel unserer Tour.

Zurück in der Hauptstadt der Insel begann es zu regnen. Wahre Wassermassen stürzten aus dem Himmel. Nachdem wir eingesehen hatten, dass es so schnell nicht aufhören würde, machten wir uns auf den Weg zum nächstgelegenen Restaurant. Als wir – trotz Schirm kletschnass – gerade vor den Toren angekommen waren, gab es einen Funkenschlag in der Hochspannungsleitung und die Stadt versank in Dunkelheit. Zum Glück dauerte es nicht allzu lange, bis der Strom zurück war, sodass wir doch noch etwas zu essen bekamen. Der Regen wurde allerdings immer schlimmer. Auf dem Rückweg zum Hotel stand uns das Wasser schon bis zu den Knien, und unser deutscher Schirm erwies sich als undicht.

Die folgenden Tage blieb das Wetter durchwachsen, aber es regnete immer nur kurz und nicht mehr sintflutartig. Bevor wir die Ilhabela verließen, schlenderten wir noch durch das Örtchen Vila und beobachteten eine Horde blauer Krabben, die in einem Flussbett ihrem Tagesgeschäft nachging.

Anschließend fuhren wir nach Ubatuba, wo das Navi unseres Renaults uns nicht zum ersten Mal ein Schnippchen schlug. Es führte uns gute 30 Kilometer in die Irre und behauptete, unser Hotel sei eine Stacheldrahtfestung zwischen sumpfigen Straßen. Glücklicherweise fanden wir im zweiten Anlauf zu unserer „Pousada“ im Dschungel.

Einen tollen Tag verbrachten wir in der historischen Altstadt von Paraty mit ihren malerischen alten Häusern, bunten Booten, guten Restaurants und einem einzigartigen Kopfsteinpflaster, das sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto eine Herausforderung darstellte.

Anschließend führte unsere Route zur Ilha Grande in der Nähe von Rio de Janeiro. Da auf der Insel keine Autos erlaubt sind, gaben wir unseren Mietwagen in Angra dos Reis ab. Klingt einfach, war es aber nicht. Vor allem weil unser Navi mal wieder um 35 Kilometer das Ziel verfehlte – diesmal landeten wir vorm Eingang eines Atomkraftwerks – und weil die „Localiza“-Filiale in einem Shopping Center versteckt war, das wir nur durch ein beschranktes Parkhaus erreichen konnten.

Nachdem unser Taxifahrer uns in Hektik versetzt hatte, weil er meinte, die Fähre zur Ilha Grande sei schon weg, warteten wir zwei langweilige Stunden, bis das Boot tatsächlich abfuhr. In unserer Umgebung gab es keinerlei Infrastruktur, also nutzten wir die einzige Option auf ein Mittagessen und kauften uns an einem Snackstand Chips und Cola.

Die 80-minütige Überfahrt war ähnlich ereignislos, aber im Hafen von Abraão brach dann geschäftiges Treiben aus. Tüten und Kartons mit Nahrungsmitteln wurden hektisch durch die Fenster der Fähre nach draußen gereicht, wo man sie auf Karren verlud. Auf der autofreien Insel sind die handgezogenen Karren die effizienteste Möglichkeit, schwere Gegenstände zu transportieren. Über die holprigen Sandwege ist aber auch das eine beschwerliche Angelegenheit.

Auch sonst ist die Infrastruktur eher rudimentär. Am Tag unserer Ankunft gab es bis zum nächsten Morgen um 3 Uhr keinen Strom. Wir zogen also abends mit Taschenlampe los. Auf den Straßen herrschte dennoch reges Treiben. Einige Bars und Restaurants hielten den Betrieb mit Stromaggregaten am Laufen, andere behalfen sich mit Feuer. Das bescherte uns einen urgemütlichen Abend in der „Kebab Lounge“, in der es ausgezeichnetes Essen vom Grill und leckeren Caipirinha gab. Der Strom fiel auch in den nächsten beiden Tagen wieder aus, aber nicht mehr so lang.

Die Insel erkundeten wir zunächst zu Fuß, dann per Boot. Genau dafür ist sie ausgelegt. Es gibt viele Wanderstrecken; wir entschieden uns für den Weg zur berühmten Praia Lopes Mendes. Da es wieder ordentlich heiß war, war der Weg durch den Dschungel und über Strände ganz schön mühsam; aber wir wurden auch mit tollen Ausblicken belohnt.

Am folgenden Tag waren wir einige Stunden mit einer Gruppe auf einem Speed Boat unterwegs, das mehrere Strände und Buchten ansteuerte. Klang gut, können wir aber nicht empfehlen – es sei denn, man hat zum Ziel, an möglichst vielen Orten der Insel gebadet zu haben. Zu sehen gab es nicht so viel. Wir hätten im Nachhinein lieber auf eigene Faust per Taxiboot etwas unternommen.

Unser Inselfazit: Wer sich zwischen Ilhabela und Ilha Grande entscheiden muss, dem empfehlen wir die Ilha Grande. Da man sich hier nicht mit dem Auto fortbewegen kann, ist das Publikum ein anderes, das Leben geht wesentlich gelassener zu. Das hat Charme, finden wir! Allerdings sollte man auf jeden Fall mit Taschenlampe anreisen.

Die letzte Station unserer Reise war Rio de Janeiro, wo – ähnlich wie in Belo Horizonte – die Bauarbeiten für die Fußball-WM auf Hochtouren liefen, und noch dazu die Vorbereitungen für den Karneval tobten. In die Stadt am Zuckerhut zu gelangen, war nicht so leicht wie erhofft. Wir hatten von der Ilha Grande aus einen Transfer gebucht. Mit „Easy Transfer“. Der Name hält leider nichts von dem, was er verspricht. Am Festland warteten wir Ewigkeiten auf den Minivan, der uns nach Rio brachte; und auch die Fahrt – eingepfercht im heißen Bus – war alles andere als eine Wohltat. Unser Vorschlag: Umbenennen in „Take it Easy Transfer“.

Der nächste Tag war deutlich besser. Wir hatten eine private Stadtführung mit einem Deutschen gebucht, der seit 23 Jahren in Rio lebt und für die Dumont-Reiseführer schreibt. Mit Helmuth Taubald sahen wir Ecken, die wir alleine kaum angesteuert hätten.

Besonders beeindruckte uns der Stopp in einer Favela. Dort erklommen wir einen „Aussichtspunkt“, durch ein privates Treppenhaus auf den Balkon des Besitzers. Enge, verwinkelte Gassen, abenteuerliche Stromleitungen, die sich als dicke Knäuel um Laternenpfähle wickeln, Müllberge. Aber auch jede Menge Geschäfte, die alles verkaufen, was man für den Alltag braucht, und scheinbar auch auf dem Weg sind, die Zielgruppe Touristen zu erschließen.

Neben einigen anderen Stationen gefiel uns vor allem auch die „Escadaria Selarón“, das Werk eines 2013 verstorbenen chilenischen Künstlers. Er verzierte eine 250-Stufen-Treppe im Stadtteil Lapa mit bunten Fliesen aus aller Welt. Die Treppe war ein Geschenk an das brasilianische Volk. Geld verdiente Jorge Selarón nur mit seinen anderen Werken, auf denen er ausschließlich Schwangere malte; besonders interessant ist sein Selbstporträt mit dickem Bauch.

Toll war auch der Halt am Aussichtspunkt Dona Marta, unterhalb des Christo. Wer den Blick auf die Stadt genießen will, ohne sich mit anderen Touristen am Geländer zu drängen, für den ist dieser Ort genau das Richtige.

Natürlich haben wir uns aber auch mal im Touristengedränge geübt, am nächsten Tag auf dem Zuckerhut. Diesen Programmpunkt darf man auf einer Tour durch Rio nicht auslassen.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Flanieren an der Copacabana. Strand und Promenade waren rappelvoll, und man war bestens damit unterhalten, das bunte Treiben zu beobachten.

Nachdem wir den Abend zuvor im Musikviertel Lapa verbracht hatten, blieben wir für unseren Abschiedsabend am Strand. Von einer Landzunge aus beobachteten wir bei Livemusik den Sonnenuntergang hinter der Bucht von Ipanema.

Mit vielen tollen Eindrücken von Land und Leuten und einer ganzen Menge neuer Havaianas im Gepäck flogen wir ins kühle Deutschland zurück.

Habt ihr schon einen Blick in die Galerie oben auf der Seite geworfen? Dort findet ihr die schönsten Bilder aus dem Text und weitere Impressionen aus Brasilien, die ihr auch im Vollbildmodus anschauen könnt.

Christina Bachlmayr - 29. April 2014 - 17:28

Klasse Bilder plus Dokumentation

lg Christina

Andrea Richey - 2. Mai 2014 - 21:52

…mal wieder eine tolle Urlaubsreportage! Eine fantastische Bilderserie…
LG Andrea

Oliver - 1. Dezember 2014 - 23:06

Sehr beeindruckend! Ich finde es gut, dass Deine Bilder ungewöhnlich, trotzdem sehr stilsicher, intensiv aber nicht kitschig sind.
Alleine die Idee, den Angler im drittletzten Bild ganz an den Rand zu quetschen und gerade deswegen einen nicht-Touri-Shot herauszubekommen…super.

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