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England 2011

 

England

England hatte eigentlich nie auf unserer Reiseliste gestanden. In Europas Norden verschlug es uns 2011 nur, weil wir zum Leeds Festival wollten. Um den Flug dorthin zu rechtfertigen, beschlossen wir, noch ein paar Tage drum herum auf der Insel zu verbringen. Bestimmte Erwartungen hatten wir nicht – und so wurden wir jeden Tag positiv überrascht: von freundlichen Menschen, idyllischer Landschaft, sauberen Straßen, netten Wanderstrecken und monumentalen Ruinen. Nur mit den Busverbindungen hatten wir so unsere Problemchen …

Unser erstes Ziel war Skipton in den Yorkshire Dales. Das gemütliche Städtchen zwischen den saftig grünen Hügeln, auf denen sich zahlreiche Schafe herumtreiben, hat eine ganz eigene Architektur. Vor allem die außen an den Hauswänden verlaufenden Wasserrohre faszinierten uns. Erklimmt man die teils steilen Straßen, hat man einen tollen Ausblick auf die Schornsteinlandschaft der sandsteinfarbenen Häuser, die mit Türen jeder erdenklichen Farbe verziert sind.

Aber Skipton ist nicht nur von oben schön. Es lohnt sich auch, durch die kleinen Gassen zu schlendern, sich ein uriges Restaurant am Kanal zu suchen oder einen der liebevoll gestalteten Läden zu erkunden: Souvenirs mit Schafen findet man hier in jeder Form und Größe. Unsere Abende haben wir am liebsten im „Woolly Sheep Inn“ verbracht, wo man sich nicht nur einen klassischen Burger schmecken lassen kann, sondern auch eine leckere vegetarische Variante mit Pilzen und Ziegenkäse – und das Bier ist natürlich auch fantastisch.

Unser erster Ausflug in den Yorkshire Dales Nationalpark führte nach Buckden, von wo aus wir über einsame Wiesen mit moosbewachsenen Trockensteinwänden nach Kettlewell gelaufen sind. Blumenüberwucherte Häuser, kleine „Tea Rooms“ und Menschen, die in Kreisverkehren auf Bänken die Sonne genießen, blieben uns in Erinnerung.

Da wir ausnahmsweise einmal ohne Mietwagen unterwegs waren, waren wir auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Das Bussystem sah zwar auf der Karte gut vernetzt aus, aber die einzelnen Linien fuhren selten und auch nur bis in den frühen Abend. Ein Ausflug wollte also gut geplant sein, wenn man den Abend nicht gestrandet in der Nachbarstadt, sondern lieber in einem gemütlichen Pub verbringen wollte. Aber selbst bei guter Planung kamen wir nicht immer bis zum Ziel. Bei unserem Versuch, die Bolton Abbey zu erreichen, nahm uns der freundliche Busfahrer bereits beim Einsteigen jede Illusion, dass er – wie im Fahrplan stand – bis zur Abbey fahren würde. Also ließen wir uns so weit bringen, wie es ging. Die Reise endete an einem Kreisverkehr, von dem aus wir eine Meile durch hohes Gras bis zur Ruine stapfen mussten – einen Bürgersteig gab es nicht.

Die Ruine der Bolton Abbey liegt inmitten leuchtend grüner Wiesen. Von dem Gebäude sind nur die Wände erhalten geblieben, auch diese nicht vollständig. Leider darf man den Innenraum nicht betreten, sondern die Mauern nur von außen bewundern, aber auch das ist ein toller Anblick. Nicht so sehr lohnt sich der Wanderweg entlang des Flusses, den wir anschließend ausprobiert haben. Außer grillenden Menschen und parkenden Autos – und Bäumen – gab es nicht viel zu sehen. Also beeilten wir uns, um den frühen Bus zurückzunehmen. Die Geschichte, wie wir von dort zurück zum Hotel kamen, ist eine längere – auf jeden Fall nicht so, wie es auf dem Busfahrplan gestanden hatte.

Von den Yorkshire Dales ging es nach Leeds, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Hier waren wir aber nicht nur beim Festival, sondern nahmen uns die Zeit, die „Salts Mill“ in Saltaire bei Bradford zu besichtigen. Die alte Wollfabrik, die Titus Salt gründete, ist definitiv sehenswert. Im Inneren haben sich zahlreiche Geschäfte angesiedelt: ein Blumenladen, ein Bücherladen, eine Kunstgalerie, ein Fahrradladen, etc. Interessant ist aber vor allem das Gebäude an sich, der nebenan liegende Roberts Park sowie die Wohnhäuser der Umgebung mit ihren bunten Türen und Katzen, die in den Fenstern herumlungern.

Auch Leeds selbst gefiel uns gut. Wir waren vor allem entlang des Kanals unterwegs, in dem sich abends die vielen Lichter der Häuser am Ufer spiegeln und für ein schönes Farbenspiel sorgen. Das Festival endete unglücklicherweise bei Dauerregen in einer Schlammschlacht – die Zeitungen titelten am nächsten Tag „Mudstock“ –, aber die Musik war wie erwartet großartig.

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Nach diesem Stadterlebnis ging es wieder ab in die Natur: genauer gesagt in die North York Moors, wo wir in Pickering unser Quartier bezogen.

Bus fahren muss in den North York Moors genauso gut geplant werden wie in den Yorkshire Dales, aber wir schafften es, ein paar schnuckelige Orte anzusteuern. Zum Beispiel Thornton-le-Dale, in dem es ein unheimlich idyllisches Haus gibt, das laut Reiseführer eines der am meisten fotografierten der Gegend ist. Wir haben natürlich unseren Teil dazu beigetragen.

Von Pickering aus fährt eine historische Dampflok nach Whitby. Dieses tolle Erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen! Nicht nur weil die Fahrt durch eine malerische Landschaft führt, sondern auch weil es klasse ist, einmal wie in alten Zeiten zu reisen. Wir durften sogar in die Lok klettern und aus nächster Nähe mitbekommen, wie Kohlen nachgelegt werden. Ganz schön heiß!

Inmitten einer violetten Heidelandschaft kann man am Bahnhof Goathland aussteigen, der als Kulisse für die „Harry Potter“-Filme gedient hat.

Unsere Fahrt endete in Whitby, das leider Gottes vollgepfropft mit Touristen war. Mit den Massen ließen wir uns in Richtung Abbey treiben und hofften, dass es auf dem Hügel, auf dem die Ruine liegt, ruhiger zugehen würde. Dem war nicht so. Denn nicht jeder nahm wie wir den Fußweg; die meisten ließen sich von Bussen bis an den Eingang zu dem alten Bauwerk karren. Da zwischen den Mauern gerade eine Veranstaltung für Kinder stattfand – irgendetwas mit Marionetten, einer Axt und drei verkleideten Menschen – zog es die meisten Touristen nach innen, sodass wir die Ruine in Ruhe von außen betrachten konnten. Imposant – noch immer – das kann man nicht anders sagen! Auch der Ausblick auf den Hafen von Whitby lohnt sich.

Zum Abschied aus den North York Moors haben wir noch die Rievaulx Abbey besucht, die besser erhalten ist als Whitby und Bolton Abbey. Das Areal ist groß, sodass es viel zu erkunden gibt, und es waren erfrischend wenig Menschen unterwegs.

Die letzte Station unserer Reise war York, wo wir leider Pech mit dem Wetter hatten. Aber immerhin haben wir es geschafft, trocken den Rundgang auf der Stadtmauer zu machen. Und zum Glück kann man in der hübschen Stadt viel Zeit in einem überdachten Highlight verbringen: York Minster. Glücklicherweise war unser Hotel direkt um die Ecke davon. Eine andere Schlechtwetteroption war für uns auch immer die leckere Crème brûlée im „Café Rouge“.

Falke - 29. Dezember 2013 - 01:08

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