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Kambodscha 2011

 

Kambodscha

Nach unserer Rundreise durch Vietnam sind wir noch ein paar Tage nach Kambodscha gefahren. Wo wir schon so nah an den weltberühmten Tempeln von Angkor waren, konnten wir uns diese Chance einfach nicht entgehen lassen. Eigentlich waren wir bereits voll von überwältigenden Eindrücken aus dem Nachbarland, aber ein bisschen Platz hatten wir noch! Leider hatten wir keine Zeit, Kambodscha richtig zu erkunden. Aber auch die vier Tage in Angkor und Siem Reap waren die Reise wert …

Da die Tempelanlagen ein gigantischer Touristenmagnet sind, waren wir nicht auf viel Einsamkeit eingestellt. Trotzdem trat man sich auch im Bereich der Hauptattraktion Angkor Wat nicht mit den anderen Touristen auf die Füße. In den Außenbereichen der Anlage war es ziemlich ruhig, lediglich im zentralen Tempel war es gut gefüllt. Das hat auch seinen Reiz, zum Beispiel wenn man beobachtet, wie die Massen die schmalen steilen Treppen hoch- und runterklettern. Manch einer mit Höhenangst hat sich nur auf seinem Hintern rutschend runter getraut 🙂 . Wer Angkor Wat besucht, dem können wir auf jeden Fall empfehlen, an einer Führung teilzunehmen – auch privat für ein bis zwei Personen sind die Touren der offiziellen Guides durchaus erschwinglich und man bekommt viele interessante Infos.

Ganz anders, aber genauso schön wie Angkor Wat, ist auch die alte Tempelanlage Ta Prohm. Hier hat der Dschungel sich zurückerobert, was ihm gehört. Früh morgens oder abends in der Dämmerung kann man in Ta Prohm durchaus für sich sein. Denn dann erklimmt der Haupttouristenstrom die Tempel, die Aussicht auf einen spektakulären Sonnenauf- oder -untergang versprechen. Dort möchte man wirklich nicht sein, wenn man es nicht attraktiv findet, sich mit Tausenden anderen Leuten auf eine dünne Gebäudespitze zu quetschen. Wir sind lieber ganz schnell geflohen … und konnten so die Märchenlandschaft von Ta Prohm mit vielen Tierstimmen um uns herum ganz in Ruhe genießen. Ein tolles Erlebnis!

Ähnlich vom Dschungel „verwüstet“ wie Ta Prohm sind auch die Ruinen von Preah Khan – einfach beeindruckend zu sehen, wie die riesigen Bäume die Steintempel zerdrücken.

Besser in Schuss und wesentlich stärker besucht ist die ehemalige Millionen-Stadt Angkor Thom. Obwohl heute nur die aus Stein gebauten Gebäude erhalten sind, strahlt dieser Ort immer noch eine majestätische Atmosphäre aus. Von den vielen Türmen des Tempels Bayon beobachten einen in alle Himmelsrichtungen blickende Steingesichter, die einen ziemlich klein erscheinen lassen. Ein absoluter „must see“-Ort!

Um die interessante Bauweise der Angkor-Tempel am eigenen Laib zu erfahren, eignet sich am besten eine Besteigung des Tempels Ta Keo. Gerade für kleine Personen ist es manchmal wirklich nicht ganz leicht, die ausgelatschten hohen Stufen zu meistern. Jedenfalls waren wir ganz gut aus der Puste, als wir bei 35°C auf dem Gipfel angekommen waren.

Auch Phnom Bakeng zu besteigen lohnt sich. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf Angkor Wat. Irgendwann glaubt man zwar, man hat schon alles Tempelmäßige gesehen, was es so gibt, aber jede Anlage ist einzigartig und lohnenswert.

Um die Tempel von Angkor richtig würdigen zu können und auch die Eintrittspreise auszunutzen, muss man sich auf jeden Fall ein paar Tage Zeit nehmen. Einige Gebäude liegen weit von Angkor Wat entfernt. Aber mit den günstigen „Tuk Tuks“, die man inklusive Fahrer für ganze Tage mieten kann, lässt sich das Areal gut erkunden.

Außerhalb der Tempel wartet eine ganz andere Welt. Hier muss man sich auf sehr viel Armut einstellen, die wesentlich offensichtlicher und bedrückender ist als in Vietnam. Wie die meisten Besucher haben wir in der Stadt  Siem Reap übernachtet. Hier gibt es nicht soooo viel zu sehen, aber ein Besuch der Markthallen lohnt sich – ganz, ganz anders als in Deutschland!

Oft werden auch Bootsfahrten zu den schwimmenden Dörfern auf dem  Tonlé Sap angeboten, aber davon können wir nur abraten – ein ziemlicher Touristennepp. Die Ausflüge kosten das Zehn- bis Zwanzigfache von dem, was man in Vietnam dafür zahlt.

Was aber sehr interessant ist, ist mit einem „Tuk Tuk“ einfach mal ein bisschen über Land zu fahren. Auf unserem Weg zum Tonlé Sap haben wir zum Beispiel Hängematten-Restaurants entdeckt: Stühle und Tische gibt’s in den auf Stelzen gebauten Häusern nicht. Wenn im Sommer der Fluss über die Ufer tritt, wird der Boden des Restaurants nämlich schon mal mit geflutet. Aber in den Hängematten kann man es sich dann immer noch gemütlich machen und aus dem Restaurant heraus angeln. Von diesem Trip über das Land ist uns vor allem die Gastfreundschaft der Menschen in Erinnerung geblieben. Obwohl wir nur kurz ins Hängematten-Restaurant hineinschauen wollten, wurden wir von den Besitzern direkt auf ein Bier eingeladen.

In vier Tagen haben wir natürlich nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Leben in Kambodscha mitbekommen. Aber uns wurde schnell klar, dass es ein faszinierendes Land mit einer spannenden Kultur ist, in dem die Auswirkungen der Geschichte – vor allem die Diktatur der Roten Khmer – immer noch im Alltag spürbar ist. Zwischen all der Armut hat man sich als Tourist aber auch mehr als einmal fehl am Platz gefühlt, weil es mehr als offensichtlich ist, dass das Geld, das die Touristen in das Land bringen, nicht bei den Menschen ankommt, die es am nötigsten haben.