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Patagonien 2012

 

Patagonien

Dreieinhalb Wochen – das klingt nach einer langen Reise, aber Patagonien ist auch groß. Um die Vielfalt dieses Fleckchens Erde zu erleben, haben wir 5800 km mit dem Jeep zurückgelegt. Jeder einzelne hat sich gelohnt, finden wir! Kurz und knapp lautet unser Fazit: nette, hilfsbereite Menschen, abwechslungsreiche Landschaft und eine beeindruckende Tierwelt. Wer mit dem Gedanken spielt, nach Patagonien zu fahren: Einfach machen! Aber vorher auf jeden Fall ein bisschen Spanisch lernen!Wir sind von Norden nach Süden im Zickzack durch Patagonien getourt. Unser erstes Ziel: das Seengebiet. Auf Empfehlung des „Lonely Planet“ sind wir die „Ruta de Siete Lagos“ gefahren, eine traumhafte Strecke, die – wie der Name schon sagt – an sieben Seen vorbeiführt. Immer wieder gab es tolle Aussichtspunkte, Sandstrände, die zu einem Picknick oder einem Sprung ins Wasser einluden, nette Bergdörfchen, in denen es sich zu schlendern lohnte, und sogar ein bisschen patagonischen Urwald. Unser Verdacht, dass wir in dieser aus dem Flugzeug so trocken aussehenden Landschaft nicht viele Blumen sehen würden, löste sich im Handumdrehen in Luft auf. Strahlender Sonnenschein und T-Shirt-Wetter im November machten das Urlaubsgefühl perfekt.Die Straßenregeln prägten sich recht schnell ein: Wer Vorfahrt hat, entscheidet man so nach Gefühl, Schilder haben nicht die geringste Bedeutung, Argentinier schrecken vor keinem noch so halsbrecherischen Überholmanöver zurück und man muss Allezeit mit Vierbeinern auf der Piste rechnen. Als wir unseren Mietwagen abholten, hatte man uns direkt geraten, ein spanisches Wort niemals zu vergessen: Gomería. Locker übersetzt: Reifenretter.Übernachtet haben wir in Bariloche, einer liebevoll gestalteten Touristenhochburg. Wer über den Stadtkern mit den niedlichen Holzhäusern hinaus schaut, kann hier aber auch was über das „normale Leben“ lernen. Außerhalb des Touristenzentrums lösen Schotterpisten die asphaltierten Straßen ab, statt der gemieteten Nobeljeeps stehen Klapperkisten und Pferde vor den Häusern, die nicht selten unvollendet sind.Vom Fuß der Anden führte unsere Route quer durchs Land zur Ostküste – 900 km, auf denen in unserer Karte bis auf zwei winzig kleine Dörflein nichts eingezeichnet war. Wir wollten wissen, was da ist im großen Nichts. Die Antwort: Erstaunlich viel! Und vieles von dem Nichts hat Dornen.Auf der anderen Seite vom großen Nichts fanden wir ein wahres Tierparadies – die Península Valdés. Bis auf die großen ausgetrockneten Salzseen im Inneren der Halbinsel, ist die Landschaft eine eintönige Steppe. Aber sie ist voll mit Leben. An nur einem Tag sahen wir Gürteltiere, Seeelefanten, Pinguine, Maras, Nandus, Guanakos, Schafe und noch einige andere mehr oder weniger flauschige Gesellen.Und das war noch nicht alles. Abends hatten wir uns für den Sonnenuntergang an einem Aussichtspunkt oberhalb von Playa Pardelas eingenistet, am Mirador Ballenas. Während wir auf die Himmelsshow warteten, nutzten wir die Zeit, um im Reiseführer nachzulesen, was „Ballenas“ bedeutet – „Glattwal“ stand dort. Wir schauten auf, und genau in diesem Moment spritzte eine Wasserfontäne aus dem Meer und ein riesiger dunkler Rücken tauchte zwischen den Wellen auf. Es war nicht der einzige Wal, den wir an diesem Abend sahen.Unsere Tour führte dann weiter an der Küste entlang Richtung Süden mit Zwischenstopp in Trelew, um Tank und Vorräte aufzufüllen. Auf der Suche nach unserem Nachtquartier verzweifelten wir beinahe, weil wir die Hausnummer nicht fanden. Erst nach einigen Runden durch das Einbahnstraßensystem merkten wir, dass es die Straße, die wir suchten, zweimal gibt – wir waren natürlich auf der falschen unterwegs. Am Ende gelang es uns aber doch, zur „Casa de Paula“ zu finden, und wir wurden mit einer urgemütlichen Nacht belohnt.Tiere, Tiere, Tiere standen in den nächsten Tagen auf dem Programm. Wir besuchten die Naturschutzgebiete „Punta Tombo“ und „Cabo dos Bahías“, in denen zahlreiche Pinguine Seit an Seit mit Guanakos leben. Es war toll, die schwarz-weißen Kollegen aus nächster Nähe zu sehen, auch wenn sich bei dem Touristentrubel kein rechtes Naturgefühl einstellen wollte. Man kam den Pinguinen wirklich zum Greifen nahe – aber einpacken war verboten   ;-).Natur pur erlebten wir hingegen, als wir an der Küste auf eine Seeelefantenkolonie stießen. Zunächst bäumten sich die imposanten Tiere drohend auf, als wir uns näherten. Nachdem wir uns jedoch langsam und beharrlich immer weiter angeschlichen hatten, war ihnen unsere Anwesenheit scheinbar egal, und wir durften ihrem munteren Treiben beiwohnen.Nachdem wir allen Meeresbewohnern einen Besuch abgestattet hatten, fuhren wir weiter ins trockene Inland, um die versteinerte Bäume „Bosque Petrificado José Ormachea“ bei Sarmiento zu bestaunen. Die Gegend könnte gut als Kulisse für einen Science Fiction-Film dienen. Tückisch an dieser Landschaft ist, dass hier nichts wächst, was sich im Wind wiegen würde, so dass man nie darauf vorbereitet ist, wie stürmisch es auf der anderen Seite der Autotür zugeht. Es war zum Wegfliegen stürmisch. Aber der Wind gehört zu Patagonien halt dazu, und bei Temperaturen jenseits der 30°C fanden wir ihn überhaupt nicht tragisch.Auf unserer Straßenkarte war in der Nähe des ersten versteinerten Waldes noch ein zweiter verzeichnet, den wir aber auch nach mehreren Anläufen nicht fanden. Stattdessen fuhren wir durch eine endlos scheinende Landschaft mit Ölförderanlagen, lernten, dass man inmitten dieses Nichts in einem Auto wohnen kann, und wurden überall dort, wo Grünzeug wuchs, von Scharen hungriger Moskitos überfallen. In der Einöde stiegen wir hin und wieder aus und nahmen die Flora genauer unter die Lupe. Nicht selten fanden wir dabei wirklich schöne kleine Blümchen.Nach diesen Tagen in der staubigen, trockenen Steppe war es eine willkommene Abwechslung, zurück ans Meer zu fahren und eine gemütliche Mittagspause am Strand einzulegen. Dann weiter Richtung Süden zum „Monumento Natural Bosques Petrificados“. Dieser versteinerte „Wald“ sah anders aus als jener bei Sarmiento, vor allem die winzigen Flechten, die auf den Stämmen wuchsen, fanden wir spannend. Aber insgesamt waren wir nachher nicht sicher, ob sich der weite Umweg hierher gelohnt hat – vor allem, weil wir ganz schön zittern mussten, ob unser Sprit noch bis zur nächsten Tankstelle reicht. Glücklicherweise schafften wir es bis nach Rio Gallegos!Dann ging es wieder quer durchs Land; wir wollten nach Chile. Unser Plan: Bei Cerro Castillo die Grenze überqueren – leichter gesagt, als getan. Denn der Grenzübergang war weder ausgeschildert noch besonders leicht zu finden. Als wir in der Ferne eine Hütte auftauchen sahen, beschlossen wir zu fragen. Erst als wir drinnen waren, fiel uns auf, dass dieser Bauernhof selbst der Grenzposten war; auch hier war Kommunikation nur auf Spanisch möglich.Durch rosane Wiesen fuhren wir in Richtung der Anden zum chilenischen Nationalpark „Torres del Paine“. Wir hatten uns für günstige 290 US $ pro Nacht in einem Hotel im „Serrano Village“ eingemietet. Wer nicht zelten will, muss sich in diesem Park rechtzeitig um eine Unterkunft kümmern, viel Geld in die Hand nehmen, aber nicht zu viel dafür erwarten. Wer zelten oder wandern will, muss sich auf Wetterkapriolen gefasst machen, wie man sie aus Deutschland einfach nicht kennt. In einem Moment liefen wir in leichter Kleidung durch strahlenden Sonnenschein, im nächsten Moment hagelte es uns waagerecht ins Gesicht. Das Wetter schlug so schnell um, dass man sich kaum rechtzeitig umziehen konnte. Es war, als würde jemand auf Knopfdruck verschiedene Wetterphänomene an- und ausschalten.In unseren vier Tagen in „Torres del Paine“ hatten wir leider wesentlich mehr schlechtes als gutes Wetter, vor allem auch sehr schlechte Sicht, so dass sich Wanderungen zu Aussichtspunkten kaum lohnten. Aber wenn die Sonne doch mal rauskam, stürzten wir uns natürlich sofort ins Freie. Wir mischten uns unter eine Guanako-Herde, beobachteten Kondore bei ihrem imposanten Gleitflug, genossen den Ausblick auf das Bergmassiv des Parks und seine smaragdgrünen Seen und erhaschten einen Blick auf den „Glaciar Grey“. Wir waren auf jeden Fall froh, dass wir nur Tagestouren unternommen haben, und bei diesem Wetter nicht tagelang draußen unterwegs sein mussten.Ein Trip durch „Torres del Paine“ zeigt leider auch, welche Zerstörung Menschen durch Unachtsamkeit anrichten können. Nach einem Campingkocherunfall brannte 2011 eine große Fläche des Parks nieder. Die Baumbestände werden wohl Jahrzehnte brauchen, um sich davon zu erholen.Alles in allem fuhren wir mit gemischten Eindrücken aus Chile nach Argentinien zurück. Die Landschaft des Parks war wunderschön, doch die touristische Infrastruktur eindeutig auf Reisegruppen ausgelegt, die bereit sind, für alles horrende Preise zu bezahlen. Wer nur Zeit für „Torres del Paine“ oder „Los Glaciares“ hat, dem würden wir den argentinischen Park empfehlen. Immerhin wurden wir auf unserer Rückreise noch mit tollen Ausblicken auf flechtenbewachsene Bäume und balancierfreudige Kühe belohnt.Auf dem Weg nach „Los Glaciares“ schlugen wir zunächst die Strecke über die berühmt-berüchtigte „Ruta 40“ ein. Wir hatten viel über die Straße gelesen, aber ganz offensichtlich nicht genug geglaubt. Nach 10 km auf dieser Reifentöterpiste drehten wir um und beschlossen, lieber einen großen asphaltierten Umweg zu fahren.Von El Chaltén aus nahmen wir uns zunächst den Nordteil des Nationalparks vor. Das Dörflein existiert ganz offensichtlich nur wegen der Touristen, aber es ist liebevoll gemacht, mit vielen gemütlichen Bars und lohnenswerten Restaurants. Bei herrlichem Sonnenschein wanderten wir zur „Laguna Torre“ und erlebten tatsächlich, wie alle drei Spitzen des „Cerro Torre“ aus den Wolken auftauchten.Wettertechnisch hatten wir am nächsten Tag nicht ganz so viel Glück; die Aussicht am „Lago del Desierto“ war bescheiden. Aber auf der Fahrt dorthin entdeckten wir immerhin einen wunderschönen Wasserfall und einen sehr freundlichen Baum…Der graue Himmel verfolgte uns zum Glück nur einen Tag. Als wir nach El Calafate umzogen, das Einfallstor zum Südteil von „Los Glaciares“, verwöhnte uns die Sonne wieder. Natürlich war unser Ziel der berühmte Gletscher „Perito Moreno“, ein Muss für jeden Patagonienreisenden. Über ein reich verzweigtes System aus Treppen und Wegen kamen wir ziemlich nah an die bestimmt 30 m hohe Eiswand heran. Das ständige Knarzen, Knistern und Knacken offenbart, welche Kräfte im Inneren der riesigen Eismasse am Werk sind. Und wer nur ein bisschen Geduld aufbringt, hat gute Chancen mitzuerleben, wie haushohe Eisbrocken tosend ins Wasser stürzen.Eine tolle Art, den „Perito Moreno“ zu besichtigen, ist eine Bootsfahrt. Obwohl wir den Gletscher schon von Land aus gesehen hatten, haben wir etwas Geld in die siebenstündige Drei-Gletscher-Rundfahrt der Reiseagentur „Hielo y Aventura“ investiert. Das hat sich gelohnt! Unser Captain manövrierte den Katamaran zunächst durch zahlreiche Eisberge zum „Glaciar Uppsala“, dann statteten wir dem „Glaciar Spegazzini“ und dem „Perito Moreno“ einen Besuch ab. Auf dem Rückweg über den „Lago Argentino“ nach El Calafate durften wir sogar mal selbst das Ruder in die Hand nehmen! In „Torres del Paine“ hätte man für eine kürzere Tour zu nur einem Gletscher übrigens mehr bezahlt.Und schon war unser letzter Tag in Patagonien gekommen. Wir erkundeten noch ein wenig die Umgebung von El Calafate, fanden uns auf einer weiten Blumenwiese in einer Pferdeherde wieder und genossen die abendlichen Sonnenstrahlen am Strand der umliegenden Seen. Dann schlenderten wir noch ein bisschen durch die Straßen von El Calafate und suchten uns ein einladend aussehendes Restaurant – auf den Hammel, der im Schaufenster dargeboten wurde, verzichteten wir allerdings.Da wir noch ein bisschen Zeit hatten, bevor wir zum Flughafen mussten, schauten wir noch im Vogel-Naturschutzgebiet „Laguna Nimez“ vorbei – für Vogelliebhaber genau das Richtige. Uns gefielen vor allem die zahlreichen Flamingos.Die Rückreise mit „Aerolíneas Argentinas“ lief nicht ganz so geschmiert, wie wir es uns gewünscht hätten. Unser Flug hob zwar pünktlich ab, aber war auf einen anderen Flughafen außerhalb von Buenos Aires verlegt worden, wo wir unsere letzte Urlaubsnacht verbringen wollten. Mit dem Minibus brauchten wir drei Stunden bis zu unserem Hotel – denn in der Großstadt war mal wieder der Strom im Ampelsystem ausgefallen. Und da die Ampel scheinbar das einzige ist, was ein argentischer Autofahrer respektiert, brach auf den Straßen die reinste Anarchie aus. Aber wir schafften es zurück nach Deutschland. 51 Tage nach uns kamen übrigens auch unsere Postkarten an.

Frank Fingerhuth - 13. Mai 2014 - 18:50

Ihr Patagonien-Album hat mir sehr gut gefallen – umso mehr, als ich Anfang des Jahres diese Gegend der Welt einige Wochen lang mit einem guten Freund bereist habe. Dass Sie mit dem „Torres del Paine“ – Nationalpark soviel Pech hatten, ist wirklich schade. Wir hatten alles in allem viel Glück und haben von dort herrliche Eindrücke mitgenommen. Allerdings war es lausig kalt!

Das Glück, den Gletschersee beim Perito Moreno zu befahren, hatten wir leider nicht mehr: Mein Freund hatte 2010 Gelegenheit dazu, aber inzwischen scheint diese spezifische Fahrt an der Gletscherzunge entlang eingestellt worden zu sein – schade…

Die Halbinsel Valdés war übrigens auch auf unserer Reise die erste Station – großartig.

Ihnen alles Gute und weiterhin erstklassige Fotos! Darf ich fragen mit welcher Kamera?

Herzliche Grüße aus Hamburg,

Frank F.

Florian - 13. Mai 2014 - 18:59

Es freut uns, dass ihnen unser Reisebericht so gut gefällt und vielen Dank für das nette Feedback 🙂
Patagonien war wirklich ein wundervolles Reiseziel und es ist schön, wenn andere ebenfalls toll Erinnerungen aus diesem Land mitbringen.

Alle Bilder auf dieser Reise sind mit Hilfe einer Nikon D700 entstanden.

Beste Grüße,

Florian & Julia

dietmar kliebe - 21. August 2014 - 12:15

Beim Anblick der tollen freuen uns schon auf unsren Trip, den wir Ende Oktober fest gebucht haben.
Was würdet ihr denn für ein Weitwinkelobjektiv empfehlen, bzw. mit welchen Objektiven habt ihr die herrlichen Bilder gemacht??

Gruß aus Bayern

Florian - 22. August 2014 - 21:12

Hi Dietmar, danke für die netten Worte 🙂 Ich habe ein Nikon 16-35mm 1:4G ED für die Weintwinkelbilder und bin damit sehr zufrieden 🙂
LG, Florian

Alejandro Prieto - 6. September 2014 - 17:48

Weiler, te felicito por esta hermosa cobertura fotográfica, que con una mirada ajena a estas tierras refleja lo mas hermoso de ella. Grandes fotografías y hermosos lugares recorridos, nosotros los Argentinos amamos la Patagonia, un territorio mágico que nunca deja de sorprendernos, yo soy de Buenos Aires y este año realice un viaje por ella junto a mi familia,
aquí algunas fotografías realizadas en film de 35mm.

http://www.alejandroprieto.com.ar/blog/personales/patagonia-2014-film/

Aqui tambien algunas fotografias de las Cataratas del Iguazu.

http://www.alejandroprieto.com.ar/blog/personales/puerto-iguazu/

Nuevamente felicitaciones por tus trabajos fotográficos.
Saludos desde Argentina.
Alejandro Prieto.

Marc - 11. Oktober 2014 - 22:30

Echt schöne Fotos!!!!
Eine Frage: Wo habt ihr den Jeep gemietet bzw wie teuer war er?

Gruß

Michaela B. - 10. November 2014 - 19:19

Ein super Bericht und sagenhafte Fotos. Wir brechen auch als bald nach Patagonien auf, wollte aber eigentlich mehr auf der chilenischen Seite bleiben, doch jetzt wo ich die Bilder von der anderen Seite sehe, glaube ich, müssen wir da auch weniger mehr Zeit für einplanen. Habt ihr einen GPS-Track oder ähnliches, auf welchem man eure Route nachvollziehen kann? Wie sicher habt ihr euch im Straßenverkehr gefühlt?

Danke für eure Antwort

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