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Vietnam 2010

 

Vietnam

2010 sind wir kurz nach Weihnachten dem grausigen Schnee entflohen und für drei Wochen nach Asien aufgebrochen. Es war zwar nicht leicht, bei -15°C und Schneebergen, soweit das Auge reichte, zum Flughafen zu kommen. Aber als wir bei 23°C in Hanoi landeten, wussten wir, dass es den Kampf wert gewesen war. Bevor wir nach Kambodscha weitergereist sind, haben wir uns zweieinhalb Wochen in den munteren Straßen der Hauptstadt rumgetrieben, einen idyllischen Cruise durch die Halong Bay genossen und sind die Küste entlang gefahren. Sowohl das Straßenleben in den verschiedenen Städten als auch die Kultur und die Natur haben uns sehr beeindruckt.

Unser erster Eindruck von Hanois Straßen war, dass hier das Chaos regiert. Verkehrsregeln schienen nicht zu existieren, und wenn man irgendwie die Straße überqueren wollte, musste man sich einfach in den niemals abreißenden Strom der Zweitakter hineinstürzen.

Auf eine gewisse Weise organisiert ging es dafür in den Themenstraßen der Altstadt zu: Straßen nur mit Schuhen, Straßen nur mit Knöpfen und Reißverschlüssen, Straßen nur mit Süßigkeiten, Straßen mit Spielzeug, Straßen mit Schaufensterpuppen und so weiter und so fort.

Warum viele Einheimische Atemmasken tragen, war uns klar, nachdem wir zwei Tage durch den Smog von Hanoi gelaufen waren. Es lohnt sicher aber, die Zeit in Vietnams Hauptstadt auf der Straße zu verbringen, denn dort spielt sich das ganze Leben ab. Die Waren werden nicht nur auf dem Bürgersteig verkauft, oft werden sie dort auch hergestellt. Man kocht und isst am Straßenrand, lässt sich auf dem Gehweg die Haare schneiden, bastelt den Besen für die Straßenreinigung. Eine Privatsphäre, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es nicht – das sieht man zum Beispiel daran, dass eine vietnamesische Zahnarztpraxis ein großes Schaufenster haben kann.

Man könnte Ewigkeiten über all die Unterschiede zu Europa schreiben – zum Beispiel die Supermärkte mit Kassenschubladen, in denen trotzdem alle Scheine durcheinander geschmissen wurden, oder die Dosenregale, in denen sich munter Limonaden mit unterschiedlichen Säften und diversen Biersorten durcheinander stapelten –, aber man muss sie einfach erleben. Alles zusammen ergibt nämlich eine wirklich liebenswerte Mischung, die es sich zu erkunden lohnt!

Was uns nicht allzu sehr beeindruckt hat, war unser Tagesausflug von Hanoi zu den Parfüm-Pagoden. Wir sind Ewigkeiten mit Auto und Boot durch die Gegend gefahren und hatten dann gerade mal 1,5 Stunden, um die Tempel anzuschauen. Nicht ganz unschuldig war daran unser unmotivierter Tourguide. Schade, denn wir glauben, in dem Areal hätte es noch mehr zu sehen gegeben.

Ein echtes Kontrastprogramm zum wuseligen Hanoi war die Zweitagestour mit der „Dragon Pearl“ durch die Halong Bay. Hier war es ruhig und idyllisch, und abends konnte man mit einem Weinchen an Deck unter dem Sternenhimmel durch die Karstfelsen schippern. Tagsüber haben wir mit einer netten Truppe von 20 Leuten ein schwimmendes Dorf besucht, eine Höhle besichtigt und sind Kajak gefahren. Diese Tour sollte wirklich niemand auslassen. Im Nachhinein betrachtet wären wir auch gern noch länger an Bord geblieben. Aber wir mussten zurück nach Hanoi, weil die Silvesterparty im „Sofitel Metropole Legend“ auf uns wartete 😉

Ein schickes Hotel ist in Vietnam für Europäer echt erschwinglich; hier kann man sich einmal den Luxus gönnen, den man im eigenen Land nicht bezahlen könnte. Vernünftig übernachten kann man aber auch in den einfachen Hotels; schon für 20 US-Dollar pro Nacht bekommt man eine saubere Unterkunft.

Anschließend ging’s mit dem Zug Richtung Süden. Das ist eine nicht ganz so idyllische Angelegenheit, wie in manchen Reiseführern behauptet wird. In einigen Wagen sind mehr Kakerlaken als Menschen an Bord, und wenn man es geschafft hat, sich mit der losstürmenden Meute in den Zug zu drängen – am Bahnsteig hört jede Nächstenliebe auf –, wird man in einer unglaublichen Lautstärke mit vietnamesischen Gesangsshows oder „Lara Croft“-Filmen beschallt.

Unsere erste Station war Ninh Binh, wo es allerhand interessante und wunderschöne Tempel in der Umgebung zu besichtigen gibt. In einem abenteuerlich alten Auto mit Fahrer haben wir von dort aus einen Tagesausflug zur Bich Dong-Pagode, nach Hang Mua, zur alten Kaiserstadt Hoa Lu und nach Tam Coc gemacht. Von den Bildern her erwartet man in Tam Coc spektakulär grüne Reisfelder – im Januar gibt es die aber nicht …

Am nächsten Tag sind wir zur Bai Dinh-Pagode gefahren, die unser Fahrer uns als „big pagoda“ angekündigt hatte. Er hatte recht! Obwohl noch im Bau hatte hier einfach alles monumentale Ausmaße – sowohl die scheinbar endlosen Aufgänge mit den vielen Steinstatuen zu den Hauptgebäuden als auch die goldenen Buddha-Statuen im Inneren. Absolut sehenswert!

Hin und wieder haben wir uns auf unserer Vietnam-Tour wie auf einem anderen Stern gefühlt. Die Aliens waren ganz offensichtlich wir: In Ninh Binh wurden wir minutenlang von einer vietnamesischen Schulklasse umzingelt, die fünf Kameras auf uns gerichtet hatte, um die exotischen Europäer abzulichten 🙂

Als Nächstes haben wir Halt im unscheinbaren Dong Hoi gemacht. Das empfehlen wir einfach jedem! Von hier aus erreicht man mit Taxi und Boot die nahe gelegenen Phong Nha-Höhlen, die – zumindest 2011 noch – relativ menschenleer waren. Über den Fluss wurden wir ins Innere gerudert, legten dort an einem Sandstrand an und konnten die riesige, sich über zwei Etagen erstreckende Tropfsteinhöhle zu Fuß erkunden. Wir waren zu dritt, und außer dem Plätschern des Wassers war nichts zu hören. Die Stalaktiten und Stalagmiten in der Höhle haben jede nur erdenkliche Form und sind teils mit buntem Licht angestrahlt, was diese Märchenwelt noch unglaublicher erscheinen lässt. Eines der beeindruckendsten Naturphänomene, das wir je gesehen haben!

Weiter im Süden war es mit dem authentischen Vietnam vorbei. In Hué war die Touristendichte eindeutig höher als etwa in Ninh Binh. Da es ständig regnete, haben wir nicht allzu viel unternommen. Wir erkundeten die Zitadelle mit ihren teils abgebrannten Ruinen und teils bunt restaurierten Gebäuden und statteten ein paar Kaisergräber in der näheren Umgebung einen Besuch ab. Ansonsten haben wir es uns einfach mal in unserem tollen Hotel, dem „Pilgrimage Village“, gut gehen lassen – wunderschöne Anlage, nettes Personal, tolle Bungalows und leckeres Frühstück. Hier stimmt alles!

Wenn man mit dem Taxi von Danang nach Hoi An fährt, kann man die erschreckende Entwicklung sehen, die sich hier an der Küste gerade vollzieht. Der Massentourismus hält Einzug. An den Strandstreifen, an denen noch kein Hotelresort steht, wird gerade eins gebaut.

In der wunderschönen Altstadt von Hoi An trifft man auf der Straße eigentlich nur Touristen. Wir haben die meiste Zeit hier in den Läden zugebracht, in denen man handgemalte Bilder, maßgeschneiderte Kleider und Schuhe und vieles mehr zu sehr erschwinglichen Preisen kaufen kann – ein toller Ort zum Schlendern und zum Shoppen! Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass das, was man sich in den günstigeren Schneidereien anfertigen lässt, nicht gleich beim ersten Mal passt – also besser nicht auf den letzten Drücker kaufen 🙂

Hoi An ist die Stadt der Lampions. Das sieht man sowohl an der Dekoration der Restaurants und Hotels als auch an den Geschäften und Ständen, die für wenige Dollar wunderschöne handgemachte Lampions in jeder Farbe des Regenbogens verkaufen. Wir wünschten, wir hätten noch mehr Platz im Koffer gehabt …

Von Hoi An aus haben wir zwei Tagesausflüge unternommen. Die berühmten Ruinen von My Son sind zwar geschichtlich interessant, aber waren für uns nicht soooo beeindruckend. Toll ist allerdings die Insektenwelt; große tropische Schmetterlinge und allerhand anderes seltsames Getier kann man hier entdecken.

Noch weitaus weniger beeindruckt waren wir von unserer Tour in die Marmorberge. Die künstlich in den Karstfelsen angelegten Tempel haben nichts von dem Charme, den man andernorts findet. Die angeblich tolle Aussicht von den Bergen gibt den Blick auf die Bausünden am Strand und zahlreiche Touristenshops in den Straßen frei. Kann man sich wirklich sparen.

In Hoi An endete unsere Vietnam-Reise, die uns gezeigt hat, wie anders als in Deutschland das Leben auch funktionieren kann. Noch ging es aber nicht zurück in die Heimat, sondern für ein paar Tage ins Nachbarland Kambodscha. Da man in vier Tagen bei Angkor Wat eine Menge erleben kann, gibt es dazu einen eigenen Beitrag auf unserer Reise-Seite.